AdvokatRechtsanwaltsgesellschaftMagdeburg
und die Börde

Bau & Handwerk · Hohe Börde / Schackensleben

Einzellos auf kommunaler Baustelle: Was tun, wenn das Vorgewerk nicht fertig ist?

Ihre Monteure stehen bereit, doch die Räume sind nicht zugänglich. Welche Ansprüche haben Folgegewerke bei Stillstand – und wie sichern Sie Vergütung und Abschläge?

Der konkrete Anlass vor Ort

Die Gemeinde Hohe Börde veröffentlicht auf ihrer Vergabeseite die erteilten Aufträge nach Zeiträumen; der jüngste Block umfasst Juli bis August 2026. Über die Blöcke von Februar bis August 2026 verteilt sind dort für den Neubau des Feuerwehrgebäudes in Schackensleben zahlreiche Einzellose aufgeführt, darunter Dacharbeiten, Fassade, Stahlbau, Innenputz, Fenster und Türen, Bodenbeläge, Schlosserarbeiten und Freianlagen. Für den Neubau des Horts in Irxleben wurden unter anderem Rohbau, Gerüstbau, Dach, Heizung-Sanitär, Elektrotechnik und Lüftung vergeben, jeweils in öffentlicher Ausschreibung. Am Hort feierte die Gemeinde am 21. September 2026 Richtfest.

Wo viele Gewerke nacheinander arbeiten, hängt jedes Los vom vorherigen ab. Den genannten Projekten werden hier keine Verzögerungen unterstellt; sie zeigen, wie verbreitet die Einzellosvergabe bei kommunalen Neubauten in der Börde ist.

Wer trägt das Risiko, wenn ich wegen eines unfertigen Vorgewerks nicht anfangen kann?

Bei einer Einzellosvergabe ist die Gemeinde Vertragspartnerin jedes Gewerks; die Betriebe untereinander haben keinen Vertrag. Die Koordination der Gewerke liegt damit typischerweise beim Auftraggeber. Ob die rechtzeitige Bereitstellung eines bearbeitbaren Baufelds als Mitwirkung des Bestellers geschuldet ist, richtet sich nach Vertrag und Einzelfall.

§ 642 BGB gibt dem Unternehmer eine angemessene Entschädigung, wenn für die Herstellung eine Handlung des Bestellers erforderlich ist und der Besteller durch deren Unterlassen in Annahmeverzug gerät. Der Anspruch knüpft an den Annahmeverzug an, nicht an ein Verschulden. Er setzt aber voraus, dass Sie Ihre Leistung angeboten haben. Ist eine Handlung des Auftraggebers erforderlich, genügt nach § 295 BGB ein wörtliches Angebot; ihm steht die Aufforderung gleich, die erforderliche Handlung vorzunehmen. Ohne ein dokumentiertes Angebot lässt sich der Annahmeverzug später kaum belegen. Verzögerungen eines Vorgewerks begründen also nicht automatisch einen Anspruch.

Was gehört in die Behinderungsanzeige, und was ändert die VOB/B?

Zeigen Sie die Behinderung sofort schriftlich an: Datum, betroffener Bereich, fehlende Vorleistung, eigene Leistungsbereitschaft mit vorgehaltenem Personal und Gerät sowie die Aufforderung, den Bereich freizugeben oder einen neuen Termin zu nennen. So verbindet die Anzeige die Information mit dem Angebot Ihrer Leistung.

Ob die VOB/B Vertragsbestandteil ist, ergibt sich aus Auftragsschreiben und Vergabeunterlagen. Ist sie einbezogen, gelten zusätzlich deren Regeln zur Behinderungsanzeige, zur Verlängerung von Ausführungsfristen und zu Ansprüchen bei Behinderung, die eigene Voraussetzungen haben können. Klären Sie deshalb vor Arbeitsbeginn, welches Regelwerk gilt.

Wie wird die Entschädigung bemessen – und wann kann ich aussteigen?

Nach § 642 Abs. 2 BGB richtet sich die Höhe nach der Dauer des Verzugs und der vereinbarten Vergütung; abgezogen wird, was Sie an Aufwendungen ersparen oder durch anderweitigen Einsatz Ihrer Arbeitskraft erwerben können. Setzen Sie bereitstehende Monteure auf einer anderen Baustelle ein, mindert das die Entschädigung – wirtschaftlich ist es oft trotzdem richtig, muss aber dokumentiert werden. Stundenlisten, Fotos und Einträge im Bautagebuch sind die Grundlage jeder Berechnung.

Dauert der Stillstand an, erlaubt § 643 BGB, dem Auftraggeber eine angemessene Frist zur Nachholung zu setzen mit der Erklärung, den Vertrag andernfalls zu kündigen; nach fruchtlosem Ablauf gilt der Vertrag als aufgehoben. Dieser Schritt beendet den Auftrag und will gut überlegt sein.

Wie halte ich die Liquidität während der Verzögerung?

Für bereits erbrachte Leistungen können Sie nach § 632a BGB Abschläge in Höhe des Werts der erbrachten, vertraglich geschuldeten Leistungen verlangen. Nachzuweisen ist das durch eine Aufstellung, die eine rasche und sichere Beurteilung ermöglicht – praktisch ein prüfbares Aufmaß je Bauabschnitt. Bis zur Abnahme tragen Sie die Beweislast für die vertragsgemäße Leistung.

Was Sie jetzt vorbereiten können

Diese Unterlagen helfen bei der Klärung

  • Auftragsschreiben mit Leistungsverzeichnis, Bauzeitenplan und gegebenenfalls VOB/B
  • Behinderungsanzeigen mit Zugangsnachweis
  • Bautagebuch und Fotodokumentation
  • Stundenlisten und Einsatzpläne
  • Aufmaße und Abschlagsrechnungen

Ob und in welcher Höhe eine Entschädigung oder ein anderer Anspruch besteht, hängt vom konkreten Vertrag und der Dokumentation ab und sollte im Einzelfall geprüft werden.

Quellen und Stand dieses Beitrags
  1. Ausschreibung / e-Vergabe ↗Gemeinde Hohe Börde · Quellenstand 01.10.2026
  2. Aktuelle Beiträge – Schlagwort Investition ↗Gemeinde Hohe Börde · Quellenstand 01.10.2026
  3. § 642 BGB – Mitwirkung des Bestellers ↗Amtliche Rechtsquelle · Quellenstand 01.10.2026
  4. § 643 BGB – Kündigung bei unterlassener Mitwirkung ↗Amtliche Rechtsquelle · Quellenstand 01.10.2026
  5. § 295 BGB – Wörtliches Angebot ↗Amtliche Rechtsquelle · Quellenstand 01.10.2026
  6. § 632a BGB – Abschlagszahlungen ↗Amtliche Rechtsquelle · Quellenstand 01.10.2026

Öffentliche Ereignisse und fiktive Beispiele sind voneinander getrennt. Die Nennung eines Unternehmens bezeichnet keine Mandatsbeziehung und unterstellt keinen Rechtsverstoß. Der Beitrag bietet Orientierung; die Bewertung Ihrer konkreten Unterlagen bleibt einer individuellen Prüfung vorbehalten.

Was steht in Ihrem Betrieb an?

Schildern Sie uns die Situation und Ihr Ziel. Wir klären, welche Informationen für den nächsten Schritt benötigt werden.

Anliegen besprechen